Takesada Matsutani
    Osaka 1937 – lebt und arbeitet in Paris
    – »Une goutte« (ein Tropfen) –
    Graphit, Vinyl auf Papier/Lwd. Aufrufpreis 30.000 EUR

    65 x 54 cm. Auf der Rückseite
    sign., ortsbez., dat., bez. sowie japanisch bez.: matsutani PARIS / 1984 / 65 x 54 cm / (…).
    – Galerierechnung (Galerie Marina Dinkler, Berlin) aus dem Jahr 1984 liegt in Kopie vor.
    – Lit.: Takesada Matsutani. Galerie Marina Dinkler. Berlin o. J.; Matsutani. Zeichnungen, Bilder, Objekte. Japan Art Gallery.
    Frankfurt am Main 1986; Matsutani. Galerie Keller. Paris 1987. Das Bild vereint Aspekte der avantgardistischen Bestrebungen, die Matsutani als Mitglied der japanischen Künstlergruppe „Gutai“ (d. h.: „Konkret“) in den frühen 1960er Jahren erprobte, mit Rückbezügen in die traditionelle japanische Kultur. Als Matsutani in dieser Zeit hellen Vinyl-Leim als Werkstoff entdeckte und damit sinnliche, oft blasen- und zellenartige Gebilde auf Leinwänden erzeugte, war dies eine radikale Neuerung in der Kunstwelt und brachte dem Künstler den Durchbruch, in dessen Folge er nach Paris zog. Dem Bild „Une goutte“ liegt eine derartige Vinylschicht zugrunde. Sie ist überdeckt von Grafit, den Matsutani geduldig mit einem Stift aufgetragen hat. Daraus entstand die dunkle, ins Schwarze gehende Tonalität. Betrachtet man das Bild aufmerksam, zeigen sich allerdings erstaunliche Nuancen. Der Farbeindruck verändert sich je nach Blickwinkel ins Gräuliche und Silbrige. Die durch das unterlegte Vinyl hervorgerufene Erhebung moduliert zudem die dunkle Fläche und kann gar einen kleinen Schatten erzeugen. In diesen Aspekten liegen Anklänge an die hergebrachte japanische Kultur, in der ruhig-ausgleichende, dunkle Farbtöne, matter Glanz und raffinierte Schattenbildungen einen hohen Stellenwert haben. Der Schriftsteller Tanizaki Jun`ichiro hat diese Vorstellungen 1933 in seinem bedeutenden Essay „Lob des Schattens“ festgehalten, den Matsutani gut kennt.
    Los 0001 / A 177 / Auktion am 21.09.2019